KI von der Forschung in die Anwendung bringen

Rektor Prof. Dr. Winfried Lieber, Gastredner Prof. Dr. Martin Riedmiller und der Marketing-Gruppenchef der Markant AG Bernd Delakowitz (von links) kamen ebenso zu der einzigartigen Auftaktveranstaltung, wie die ersten Studierenden.

Künstliche Intelligenz (KI) ist eine Schlüsseltechnologie, die wichtige Beiträge zur Lösung aktueller Herausforderungen in Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft beisteuern kann. Sie spielt in vielen Fachbereichen der Hochschule eine Rolle. „Dank Dekan Stefan Trahasch ist es uns gelungen, in knapp zwei Jahren einen Studiengang zu kreieren, der die Querschnittstechniken bündelt und mit Anwendungen verknüpft“, erklärte Rektor Prof. Dr. Lieber bei der Feierstunde. Gleichzeitig verwies er auf die Bedeutung des Themas gerade auch in der Region. Als Beispiele nannte er zum einen den vom Landes-Wissenschaftsministerium geförderten KI-Verbund mit regionalem Anwendungszentrum der Hochschulen für Angewandte Wissenschaften in Offenburg, Furtwangen und Karlsruhe. Zum anderen verwies er auf die trinationale Konferenz „Künstliche Intelligenz – von der Forschung in die Anwendung“ mit dem damaligen EU-Kommissar Günther Öttinger an der Hochschule Offenburg 2019 sowie auf den Punkt „Oberrhein 4.0“ zur Digitalisierung im Rahmen der Strategie 2030 der Trinationalen Metropolregion Oberrhein. „Der notwendige Bedarf an Fachkräften ist durch den neuen Studiengang AKI nicht zu decken, aber dieser leistet einen wichtigen Beitrag“, erklärte Prof. Dr. Winfried Lieber und dankte gleichzeitig der Markant AG, die das neue Angebot an der Hochschule Offenburg mit der Stiftungsprofessur „Analytics and Data Science“ unterstützt.

Seitens der Markant AG überbrachte der Marketing-Gruppenchef Bernd Delakowitz die Grüße des Verwaltungsratspräsidenten Franz-Friedrich Müller. Anschließend erklärte er warum der in Offenburg gegründete Dienstleister für Unternehmen die Wissenschaft fördert und KI-Experten braucht. Die Markant AG verfüge über Daten von rund 30 Millionen Artikeln mit jeweils 500 bis 800 Attributen, so Delakowitz. Etwa 500 Server im Rechenzentrum Waltersweier bewältigten diese Informationsflut. „Derzeit werden dort jährlich fünf Petabyte, also fünf Billiarden Byte bearbeitet. Das entspricht dem Text von einer Milliarde Bibeln“, so der Marketing-Gruppenchef. Ohne KI könnten sich die riesigen Datensilos aber nicht verbinden und Informationen intelligent aufbereiten.

Gastredner des Abends war Prof. Dr. Martin Riedmiller, der nach Informatikstudium und Promotion an der Universität Karlsruhe von 2002 bis 2015 Professuren in Dortmund, Osnabrück und Freiburg mit Forschungsaufenthalten in den USA (CMU, USC, Stanford) und Australien (CSIRO) besetzt hat. Seit 2015 leitet er das Forschungsteam „Control“ bei DeepMind (einer Alphabet Tochterfirma) in London, einem weltweit führenden Forschungslabor für Künstliche Intelligenz. Seine Arbeiten wurden in zahlreichen internationalen Zeitschriften und Konferenzbänden publiziert. Über seine Arbeit mit lernfähigen Fußballrobotern mit denen er unter anderem fünf Weltmeistertitel errang, hatte ihn 1999 auch Prof. Dr. Klaus Dorer von der Hochschule Offenburg kennengelernt. Riedmiller ging in seinem Vortrag auf die Geschichte des Maschinellen Lernens, einem wesentlichen Bereich der KI, von der ersten Idee 1956 bis heute ein. Er erinnerte an die Entwicklung des Backpropagation Algorithmus, einem verbreiteten Verfahren zum Einlernen von künstlichen neuronalen Netzen, in den 1960er und 1970er Jahren. Anhand von spielerischen Beispielen wie den Atari Games der 1980er und 1990er Jahre sowie dem Computerprogramm AlphaGo, das mittels KI von DeepMind entwickelt wurde und 2016 den damals amtierenden Weltmeister im japanischen Brettspiel Go geschlagen hatte, erläuterte er den technischen Fortschritt. In den vergangenen Jahren hätten Roboter schließlich gelernt, selbstständig komplexe Aufgaben zu lösen.  „Momentan geht es den Forschern darum, die Maschinen zum Entdecken anzuregen“, schloss Riedmiller.

Anschließend machten die geladenen Gäste, darunter auch die ersten AKI-Studierenden der Hochschule Offenburg, noch von der Gelegenheit Gebrauch, dem Experten Fragen zu stellen.